Nudges, Transparenz und Autonomie : eine normativ gehaltvolle Kategorisierung von Maßnahmen des Nudgings / Jana Friedrichsen, Kornelia Hagen und Lilo Wagner

Die Debatte um Nudging wird durch die große Bandbreite dessen, was als “Nudge“ betrachtet wird, erschwert. Die Einschränkung des Begriffs auf Maßnahmen, die Rationalitätsdefizite des Individuums ausnutzen, hat sich in der Debatte nicht durchgesetzt. Da die so definierten Nudges zudem als ethisch problematisch zu beurteilen sind, ist eine differenzierte Betrachtung des Phänomens angezeigt. In dem Beitrag werden Nudges anhand ihrer Transparenz einerseits sowie der Frage, ob sie nur auf das automatische oder auch auf das reflexive Denksystem wirken andererseits, kategorisiert. Argumentiert wird in diesem Beitrag, dass Nudges unproblematisch sind, wenn sie eigenverantwortliches Handeln zulassen und auf ein vom Individuum selbst als solches identifiziertes Entscheidungsproblem reagieren. Dies ist der Fall, wenn Nudges (i) transparent auf das reflexive System als Mittel gegen Unachtsamkeit oder Vergesslichkeit wirken (zum Beispiel Warnhinweise), (ii) eine edukative Funktion haben (zum Beispiel Art der Angabe von Wahrscheinlichkeiten) oder (iii) auf Probleme mangelnder Selbstkontrolle reagieren, die vom Individuum als nicht in seine übergeordnete Präferenzstruktur passend bewertet werden (zum Beispiel Gesundheitsvorsorge).

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Persons: Heidbrink, Ludger [Author]; Klonschinski, Andrea [Author]
Format: eArticle
Language(s):German
Language note:Zusammenfassung in englischer Sprache
Publication:2018
Part of:Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 87(2018), 1, Seite 15-27
ISSN:1861-1559
DOI:10.3790/vjh.87.1.15